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Wenn sie hier im Internet trotzdem, illustriert an einzelnen Ereignissen oder Personen, erzählt werden soll, ist sie für Historiker, die letzten Endes von den heutigen Nationalstaaten her denken, nichts weiter als eine Fiktion.

Zwischen Jura, Vogesen und Schwarzwald


Vorgezeichnet sind auch die Wege, vor allem im Elsass, nämlich die drei parallel laufenden Nord-Südrouten von Basel aus dem Rhein entlang, seitlich zur Ill und am Fuss der Vogesen.

Die hier angesiedelten Kelten kannten die Eisengewinnung und —verarbeitung. Sie hatten ihre eigenen keramische Technik, bauten mächtige Brennöfen. Handel trieben sie mit Italien, von wo Amphoren mit Wein importiert wurden, aber auch italienische Gläser oder Bronzegeschirr. Sie kannten bereits die Geldwirtschaft, ihre Münzen, die italische Vorbilder nachahmten, zirkulierten auch über die Stammesgrenzen hinaus.

Sie waren Meister in der Verarbeitung von Steinen, etwa für Mühlen, mit denen sie Handel trieben; ihre Toten bestatteten sie in der Erde. Waren sie auch politisch ein einheitliches Volk? In unserem Fall scheint vor allem das zusammenhängende Siedlungsgebiet für eine ethnisch einheitliche Bevölkerung zu sprechen.

Basel, wenn man wieder auf die Karte blickt, sitzt ziemlich genau im Zentrum des ganzen Gebietes. Die auf dem Areal der früheren Sandoz ausgegrabenen Funde könnten auf die grösste Siedlung im ganzen Raum von rund 12 Hektaren Grösse verweisen, aber auch der Münsterhügel war schon von Raurikern bewohnt.

Wie verschieden die Geschichte dem Dreiland zwischen Jura, Vogesen und Schwarzwald in den folgenden Jahren auch immer mitgespielt hat — an diesem historisch-archäologisch greifbaren Anfang war sie eine Einheit links und rechts oberhalb des Rheins.

Sie darf sich daran immer wieder erinnern. Mit den Galliern, französisch den Gaulois, sind die keltischen Stämme des heutigen Frankreichs gemeint. Im ersten Buch, Kapitel 31, tritt ein germanischer König namens Ariovist auf, der sich im Gebiet der Sequaner, dem fruchtbarsten in ganz Gallien, eingenistet hat. Caesar gibt wieder, was ein Sprecher der Gallier sagt:.

Er sei ein jähzorniger und unberechenbarer Barbar, sie könnten die Art seiner Herrschaft nicht länger ertragen. Caesars Bericht, wohl der frühste über den Oberrhein, setzt uns Jahre später in einige Verlegenheit im Hinblick auf die Geografie und die politischen Nachrichten.

Wo liegt Magetobriga — ein Dorf, ein Fluchtort, eine Stadt? Wo hat der Germanenkönig Ariovist die linksrheinischen Kelten so geschlagen, dass er sich in der Folge als eine Art Schutzkönig in ihrem Gebiet niederlassen und sie sich tributpflichtig machen konnte?

Dann haben wir Mühe mit den zahlreichen Stammesnamen, die Caesar aufzählt. Bekannt sind die Helvetier, die im schweizerischen Mittelland sassen, die Rauriker, die sich als ihre Vettern südwestlich der Basler Rheinkrümmung angesiedelt hatten. Eigentliche Grenzen in unserem Sinn sind zwischen diesen Völkern schwer auszumachen, es handelt sich um ineinander verzahnte Stammesgebiete. Verkehrt wäre auch die Annahme, dass es sich da um friedlich sesshafte Urbevölkerungen gehandelt hätte.

Sogar die Helvetier, die Caesar nach der Schlacht von Bibracte an der Auswanderung Richtung Atlantikküste hinderte und zur Rückkehr ins Mittelland zwang, waren dort erst seit relativ kurzer Zeit, vielleicht um die Jahre, angesiedelt gewesen, möglicherweise hatten sie die früheren Allobroger vertrieben.

Aber nun Ariovist, der selbstherrliche und grausame Germanenkönig, der nach Caesar von den Sequanern gegen die Haeduer zur Hilfe gerufen worden war und es sich im oberen Elsass wohl sein liess. Er war seinerseits von den aus Osten nachstossenden Germanenstämmen bedrängt, von denen er auf Kosten der Sequaner die befreundeten Haruden ansiedeln wollte.

In dieser Not wandten sich die Gallier an Caesar, der als Befehlshaber des heute sündfranzösischen Galliens ein Interesse daran haben musste, dass der germanische Druck nicht ständig neue Stämme gegen seine Provinz anbranden liess.

Darum hatte er ja auch den Auszug der Helvetier verhindert. In Eilmärschen führte er seine Truppen heran, um nicht nur seine Provinz, sondern auch die befreundeten Haeduer vor Ariovist zu schützen. Caesar schickt eine Gesandtschaft zu Ariovist. Sie erhält die hochmütige Antwort: Wenn Caesar etwas von Ariovist wolle, solle er sich gefälligst zu ihm begeben.

Und überhaupt — was habe Caesar in Gallien verloren? Die Forderungen Caesars lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Ariovist zieht sofort nach: Er sei Sieger, auch über die Haeduer; die Römer könnten, wenn sie wollten, ruhig angreifen. Caesar kommt ihm zuvor, indem er die Besatzung von Vesontio verstärkt. Seine Truppen geraten freilich in ein moralisches Tief — diese Germanen sind furchterregend und schrecklich!

Caesar veranstaltet einen Offiziersrapport, setzt zu einer grossen Rede an, in der er darlegt, dass die Helvetier militärisch diesen Germanen überlegen gewesen seien, jetzt aber hätten sie, die Römer, soeben die Helvetier besiegt. Er werde auf jeden Fall mit der Legion gegen Ariovist marschieren. Da Ariovist eine Begegnung zu Pferd verlangt, Caesar aber den gallischen Hilfsreitern misstraut, lässt er die Soldaten der Legion die gallischen Pferde besteigen.

Vom Pferd herab unterreden sich der germanische König und der römische General. In welcher Sprache, ist nicht gesagt. Kann Ariovist, der offiziell den Titel eines Freundes des römischen Volkes führt, lateinisch? Oder kann Caesar, dessen Privatlehrer ein hochgebildeter Kelte gewesen war, auch keltisch?

Die Unterredung führt zu keinem Ergebnis. Ariovist versteift sich darauf, dass er von den Sequanern gerufen über den Rhein gekommen sei. Er befindet sich übrigens schon länger in Gallien als die Römer. Derweilen kommt es zwischen den Reitern Ariovists und den berittenen Legionären zu ersten Streitereien.

Es wird klar, die Sache muss militärisch entschieden werden. Der Ort, an dem Caesar im Jahr 58 vor Christus Ariovist so besiegte, dass e sich schleunigst über den Rhein retten musste, ist mit Sicherheit nicht auszumachen. Das nördlich von Mülhausen gelegene Ochsenfeld könnte bei fünf Meilen in Frage kommen, bei 50 Meilen müsste man das Schlachtfeld eher in Richtung zur burgundischen Pforte suchen. Archäologisch konnte es bis heute nicht nachgewiesen werden. Die für die Legionen siegreiche Schlacht — von Caesar selber in allen Einzelheiten geschildert — darf aber nicht nur als eine Konfrontation von Römern und Germanen gesehen werden.

Sie war ebenso eine Auseinandersetzung zwischen verschiedenen keltischen Stämmen, teils mit Rom verbündet, teils mit germanischen Fürsten befreundet. Die Helvetier zur Rückkehr gezwungen, Ariovist geschlagen — das Jahr 58 vor Christus war für die römische Präsenz in Gallien eher strapaziös gewesen. Im Jahr , am Grosses Fest im elsässischen Eguisheim. Hohes Mittelalter nennen wir diese Zeit. Sie führt die abendländische Welt in den Grenzen, die Jahre zuvor Karl der Grosse entworfen hatte, zu ganz verschiedenen Höhepunkten.

In der Architektur löst die Romanik die ottonische Bauweise ab — nachvollziehbar, wenn man heute von St. Cyriak in Sulzburg ottonisch auf die andere Rheinseite zur Klosterkirche von Murbach romanisch wechselt. Damit stellt sich zugleich die Frage, in welchem Verhältnis die bestimmenden Männer der Zeit, der von den deutschen Herzögen gewählte König und Kaiser und der vom römischen Adel gewählte Papst, zueinander stehen.

Das führt zum sogenannten Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst, bei dem es um die Ernennung und Bestätigung der Bischöfe und Erzbischöfe geht. Der Kirche wachsen durch die von Cluny im Burgund ausgehenden Reformbestrebungen neue Kräfte zu; unter dem cluniazensischen Grossabt Hugo bildet sich durch ganz Europa ein Verband von rund Abteien und Prioraten, die den Führungsanspruch von Cluny anerkennen.

Das heisst, dass der jetzt deutsch-römische Kaiser zwei der drei Nachfolgestaaten Karls des Grossen an sich zu ziehen versucht. Der französische König ist weit weg; der ihm noch lange nicht ergebene normannische Adel blickt einesteils Richtung England und gründet andernteils in Italien eine weitere Herrschaft in Apulien, die sich bis nach Kalabrien, Sizilien, Benevent und Neapel erweitert, also auch bisher oströmisches und sarazenisches Gebiet an sich zieht.

Die Lebensdaten Leos IX. Aber nun zu seiner Person, über die wir ungewöhnlich gut dokumentiert sind, weil Wibert, ein Archidiakon von Toul und offenbar ein Lebensgefährte Leos, dessen Geschichte auf lateinisch ausgiebig beschrieben hat.

Er war fürstlichen Geblüts, sein Vater Hugo führte den Titel eines Grafen des Nordgaus, also des unteren Elsasses, und stammte von Adalrich ab, den Childerich, König von Austrasien, um zum elsässischen Herzog eingesetzt hatte. Er hatte insgesamt acht Kinder, das dritte wurde auf den Namen Bruno getauft. In den Ferien daheim soll er einmal im Schlaf von einem Tier — Wibert sagt: Bruno lebte in Toul in der kanonischen Gemeinschaft des Bischofs, wurde aber nicht Mönch.

Wie sein Onkel Konrad zum deutschen König gewählt wurde, bekam er die Stelle eines königlichen Kaplans, und als 23jähriger zog er erstmals mit dem König nach Italien, um das rebellische Mailand zu unterwerfen. Dort erreichte ihn der Ruf, Nachfolger des verstorbenen Bischofs von Toul zu werden. Der noch nicht 35jährige königliche Onkel liess ihn ungern gehen. Als Bischof von Toul sehen wir Bruno nach mit der Kirchenreform beschäftigt, die — und hier wird der Einfluss von Cluny sichtbar — zuerst eine Reform der Klöster war.

Kirchenarbeit war immer auch Politik; Lothringen stellte für das Reich das westlichste Herzogtum dar, zugleich die Brücke zum französischen Königreich; südlich vom Elsass lag das von Frankreich unabhängige Königreich Burgund, das gerade jetzt, unter den fränkischen Kaisern, wieder an das Reich gezogen wurde. Der Bischof von Toul erwies sich dabei als treuer Gefolgsmann des Kaisers. Papst wird der elsässische Grafensohn dank seines allseits anerkannten verbindlichen Charakters, auf Grund seiner erfolgreichen Reformarbeit im Bistum, wegen seiner auf mehreren Pilgerfahrten erworbenen Italienkenntnis, nicht zuletzt auch auf Wunsch des ihm verwandten Kaisers Heinrich III.

Seine Kandidatur für den römischen Stuhl wird auf dem Reichstag in Worms aufgestellt. Er will aber nicht Papst werden, wenn ihn nicht auch das Volk und der Adel von Rom wählen.

Das geschieht am 2. Seine päpstliche Herrschaft beendet ein unwürdiges Zwischenspiel rivalisierender Vorgänger; er gilt als der bedeutendste deutsche Reformpapst, und zu seinem Gefolge zählt schon in Worms der aus Italien stammende Mönch Hildebrand, der als Gregor VII.

Leo stellt sich gegen den weit verbreiteten Ämterkauf, die sogenannte Simonie, bekämpft die zu seiner Zeit häufigen Priesterehen. Politisch gerät er in einen schwerwiegenden Konflikt mit der normannischen Herrschaft in Apulien, wo sich ein Kräftevieleck zwischen dem kaiserlichen Heer, oströmischen Herrschaften, den Sarazenen und den Normannen ergibt, welche letztere als Gegner Leos ihn in Benevent belagern und ihn dann handkehrum als Gefolgsleute nach Rom kurz vor seinem Tod zurückbegleiten. Die Mission seiner Delegierten nach Konstantinopel endet unglücklich, wird das Schisma zwischen der west- und oströmischen Kirche endgültig.

Was mussten das, auf Pferderücken, für beschwerliche Expeditionen gewesen sein! Was uns vom Wesen Leos überliefert ist, zeigt — nach Abzug der mittelalterlichen Verherrlichung — ein so entschiedenes wie sanftes Gemüt, einen von Mitleid bewegten, zugleich visionären Menschen, der viel von seinen eigenen Träumen redete. Er war sprachgewandt, beherrschte lateinisch, deutsch, französisch, italienisch, als Papst wollte er sich noch das Griechische aneignen.

Er starb bei vollem Bewusstsein, unter Gesprächen mit seinen Vertrauten und langen Gebeten. Er war in seinem Herzen ein Elsässer geblieben. Hier für einmal so etwas wie ein Rätsel oder eine Quizfrage: Das war reich, berühmt, mächtig. Verschiedene Kaiser und Könige waren ihm gewogen, beschenkten es, aber suchten auch seinen Rat. Die Territorien, die es als Eigenbesitz oder Lehen verwaltete, waren bald grösser, bald kleiner — über Jahre bleiben Herrschaftsgebiete selten konstant.

Die Herren dieses Fürstentums verwalteten Besitztümer im heutigen Elsass und Sundgau, aber auch rechts vom Rhein und hatten im schweizerischen Luzern ein gewichtiges Wort mitzureden. Ihr Lebensstil war wahrhaft fürstlich, gegen Ende ihrer Herrschaft eher etwas dekadent. Ruhm erwarben sie sich in geistigen Dingen, der grosse Gelehrte Alkuin aus der Zeit Karls des Grossen wollte sich dort in seinen alten Tagen zurückziehen.

In der Mitte des 9. Jahrhundert suchte Jean-Daniel Schoepflin, der Verfasser der grossen, lateinisch geschriebenen Geschichte des Elsasses und ein Lehrer Goethes, die fürstlichen Archive auf, um seine Quellenstudien zu treiben. Wo lag es denn? Weniger als eine Stunde im Auto von Freiburg oder Basel entfernt.

Ein paar unregelmässige alte Häuser, eine torähnliche Einfahrt — plötzlich stehen Sie zwei mächtigen romanischen Kirchentürmen von über 43 m Höhe mit stumpfen Dächern aus grau-rotem Sandstein gegenüber. Es ist die Stiftskirche von Murbach. Das Vierungsquadrat, also der zwischen den Türmen verbleibende Raum, ist so gross, dass er noch immer eine stattliche Kirche beherbergen kann.

Doch wo ist das Langhaus? Es fehlt, nur das hinter der Kirche liegende Friedhofareal deutet noch an, wie gross es gewesen sein muss. Sie erhielt vom König die Immunität, das heisst dessen Verwaltungsbeamten hatten auf dem Territorium der Abtei nichts mehr zu suchen. Sie wurden auch von der Aufsicht des Strassburger Bischofs befreit, die Mönche konnten ihren Abt selber wählen.

Die benediktinische Regel räumte der landwirtschaftlichen Arbeit eine grosse Bedeutung ein; man darf sich vorstellen, wie die Angehörigen von Murbach die dicht bewaldeten Vogesentäler rodeten und kultivierten.

Die Rebe war aus römischen Zeiten schon angesiedelt. Die Abtei wurde von ihrem Gründer reich beschenkt, im Oberelsass so gut wie im unteren Elsass, im Sundgau, aber auch in der Delsberger Gegend. Die Kirche war dem heiligen Leodegar St. Es wurde vom 9. Jahrhundert ein Hort der Gelehrsamkeit. Jahrhundert sind althochdeutsche Übersetzungen lateinischer Hymnen bekannt, die Manuskripte liegen heute in Oxford.

Alkuin, so etwas wie der aus England stammende Kulturminister Karls des Grossen, schätzte und besuchte Murbach. Jahrhundert wurde es, wie Basel, von den Ungarn verwüstet, aber auferstand nachher, im Zug der cluniazensischen Reform, in grösserer Pracht. Aus den benediktinischen Mönchen wurden zunehmend adlige Stiftsherren. Territorial hatte sich die ursprüngliche Schenkung gewaltig erweitert, das benachbarte Tal von Saint-Amarin, die Herrschaft Delle, rechtsrheinische Besitztümer waren dazugekommen.

Es waren die Herren von Murbach, die Luzern das Stadtrecht verschafften. Und unter dem Staufenkaiser Friedrich II. So sehr damit die weltliche Macht der Fürstabtei Murbach stieg, die geistige Bedeutung ging zurück. Philippe Legin, der dieses oberrheinische Fürstentum letztmals beschrieb, sieht schon zu Beginn des Jahrhunderts Anzeichen des Verfalls. Er hat politische Gründe: Er hat kriegerische Gründe: Er hat soziale Gründe: Er hat wirtschaftliche Gründe: Das Ende brachte formell die Französische Revolution, auf deutsches Reichsrecht zurückgehende Feudalherrschaften wurden in der Nach vom 4.

Aber den Zerfall der eigentlichen Kirche und der Klostergebäude hatten die Stiftsherren schon früher und selber ins Werk gesetzt. Das verlassene Waldtal war ihnen nämlich zu langweilig geworden, sie zogen hinab nach Guebwiller, das sie zum Städtlein ausbauten, aber auf keinen Fall demokratisch regiert wissen wollten. Somit zogen die Stiftsherren nach Guebwiller, kehrten aber nie mehr zurück, weil für den geplanten Umbau das Geld ausging. Sie blieben im Städtlein.

Der revolutionäre Zorn der Leute aus dem Lauchtal richtete sich schon nicht mehr gegen die verlassene Stiftskirche in Murbach, sondern es wurden die Häuser der Stiftsherren in der Stadt geplündert, die Weinkeller ausgetrunken. Die letzten Stiftsherren versuchten wenigstens die Archive zu retten, ohne grossen Erfolg.

Kärgliche Reste landeten im Departementsarchiv zu Colmar, der Grossteil wurde gestohlen, verschachert, unter der Hand verkauft. Eine Restauration aus dem letzten Drittel des Jahrhunderts hat die beiden Türme der Stiftskirche von Murbach einigermassen gerettet. Sie stehen da als Zeugen einer tausendjährigen Geschichte, die seit Jahren ohne Fortsetzung ist.

Alle Departemente, Kantone, Länder und Nationen in der Nachbarschaft von Murbach sind jüngeren Datums und haben wenig Chancen, jemals auf Jahre kontinuierlicher Geschichte zurückblicken zu können. Kaiser sind über sie geritten und gezogen, Könige und Heerführer, geistliche Herren und Flüchtlinge: Sie soll die erste und lange Zeit die einzige zwischen dem Bodensee und der Nordsee gewesen sein — ein Märchen. Fridolin Leuzinger hat ein einer Artikelserie die Dinge historisch zurechtgerückt: Die Basler Rheinbrücke war, regierungsrätlichen Reden zum Trotz, weder die erste noch die einzige.

Ihr Erbauungsdatum kennen wir genau, es ist Aber jetzt wissen wir auch, dass schon ein Rechtsstreit zwischen einer Äbtissin von Säckingen und dem Schirmvogt von Laufenburg, einem habsburgischen Gefolgsmann, entbrannte, der sich um die dortige Brücke drehte. Also muss sie ja wohl schon vor der Basler Brücke gestanden haben.

Wir müssen Abschied nehmen von einer für Basel allzu schmeichelhaften Legende, aber das soll uns nicht hindern, noch einmal die Brücken sowohl in Basel wie oberhalb und unterhalb der Stadt ins Auge zu fassen. Versuchen wir, so etwas wie eine Brückentheorie aufzustellen. Wovon gehen wir aus? Am besten wohl von einer These. Jede Brücke in und um Basel entspringt einer exakten historischen, also auch ökonomischen, sozialen, militärischen und verkehrstechnischen Entwicklungsstufe, die man im geschichtlichen Zusammenhang begreifen sollte.

Was macht ein Mensch, der an einen Fluss kommt? Er versucht auf die andere Seite zu gelangen. Das kann schwimmend oder auf einem Floss geschehen. Und wenn er Vieh mit sich führt? Schon eine Kuh in einen Weidling zu stellen, ist nicht gerade ein glückliches Unternehmen. Dann sucht er eben nach Furten, das heisst nach Stellen von niedriger Wasserführung, über die man zwar mit nassen Füssen, aber doch auf eigenen Beinen schreiten kann.

Nun darf man sich viele Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende zurück, den Rhein nicht wie heute vorstellen. Er war ungebärdiger, gelegentlich bei Niedrigwasser auch sanfter. Es gab noch keine Kanäle und Staustufen.

Ein trockener Spätsommer konnte den Rhein so absinken lassen, dass man ihn tatsächlich durchwaten konnte. Man kennt die entsprechenden Stellen, sie liegen bei Wallbach, Rheinfelden und Kleinhüningen, wo der Rhein nach der Enge bei Basel plötzlich breit und von Inseln durchsetzt zu werden begann. Da müssen unsere keltischen Urahnen samt ihren Tieren durchgewatet sein.

Die frühere Keltensiedlung am unteren Rand des heutigen Basel bei der ehemaligen Sandoz könnte etwas damit zu tun haben. Auf jeden Fall war dort der Rhein weniger tief und reissend. Er liess sich einfacher mit Fahrzeugen überqueren als in Basel selber. Flüsse waren schon früher Transportwege. Und an diesem Punkt, eben knapp unterhalb des heutigen Basel, war die Landverbindung zwischen dem Doubs und dem Rhein die kürzeste.

Also war das ein idealer Platz für handeltreibende Leute. Dann kamen die Römer. Sicher bestand zu römischen Zeiten bei Kaiseraugst eine Brücke oder eine als Brücke dienende Anlage über den Rhein, das bestätigen Überreste einer rechtsrheinischen Anlage. Als der römische Grenzwall, der limes, weit nach Norden Richtung Augsburg verlegt wurde, spielte der Rheinübergang bei Kaiseraugst militärisch eine wichtige Rolle. Der Rhein in der Basler Gegend biegt sich ab wie ein Knie. Die heutige Stadt kann man als einen viergeteilten Kuchen sehen: Jahrhundert tauchen rechtsrheinisch die Alemannen auf, auf der linken Seite bleiben die romanisierten Kelten, die Gallorömer.

Oder wie der frühere Kantonsarchäologe Rudolf Moosbrugger sagt: Der Rhein war zum Röstigraben geworden. Von Brücken vernehmen wir nichts. Jahrhundert entsteht eine neue Situation. Das Elsass ist habsburgisches Stammland, das sich um die auch weltlichen Herrschaften der Bischöfe von Strassburg und Basel in Richtung auf die heutige Schweiz und den Rhein aufwärts erweitern will.

Verschiedene klösterliche Herrschaften, aber auch die sich unter dem Bischof zünftisch organisierende Stadt, sehen sich eingeengt. Die Brücke bei Rheinfelden wurde vermutlich schon gebaut, diesmal von den rechtsrheinischen Konkurrenten der Habsburger, den Zähringern. Für Säckingen darf man ebenfalls eine alte Brücke für die Jahre um annehmen. Er konnte sie nicht allein finanzieren, die weiteren Geldgeber waren der Abt von St.

Blasien und der Prior von Bürgeln. Auch das hat seine politische Logik. Verkehr und Handel sollten nicht in das zähringische oder habsburgische Gebiet abwandern. Und was nicht weniger wichtig ist: Erst mit dieser Brücke wurde die systematische Besiedlung des Kleinbasel möglich.

Es wurde eigentlich wie Manhattan angelegt — drei Parallelstrassen zum Rhein und senkrecht dazu die verbindenden Gassen. Da Basel seit dieser Zeit bis ins Jahrhundert hinein die dominierende Stadt am Oberrhein war, wurde diese Vorgängerin der heutigen Mittleren Brücke bald einmal die wichtigste. Über sie kamen und gingen die Fuhren ins Wiesental und nach Süddeutschland, auf ihr zogen die gekrönten Häupter Russlands, Österreichs und Preussen auf ihrem Feldzug gegen das napoleonische Frankreich in Basel ein.

Aber diese dem Handel dienende, die herrschaftliche Stellung Basels markierende und den süddeutsch-schweizerischen Verkehr aufnehmende Brücke hatte seit dem Ende des Von Hüningen aus wurde zuerst auf die sogenannte Schusterinsel und dann zeitweise bis auf das markgräfliche Ufer eine Brücke geschlagen, meistens eine schwimmende, gelegentlich wohl auch eine solide Holzkonstruktion.

Ihr Zweck war militärischer Natur, gewiss diente sie auch zivilen Zwecken. Für die Basler, die zwar einen Teil der Schusterinsel mit Kleinhüningen ihr eigen nannten, war sie doch eher exterritorial. Und man sah sie nicht gerne, weil von ihr aus ja der ganze Schiffsverkehr durch die Franzosen kontrolliert werden konnte.

Sie bekam den Spottnamen einer Brille auf der Nase der Basler. Also lautet der Brückentheorie erster Teil: Keltische Furten, römische Militärbrücken, zähringisch-habsburgische Verbindungsbrücken, eine als politische Antwort gemeinte Basler Brücke, eine französischen Kriegszielen dienende Behelfsbrücke.

Jede einzelne hat ihre historische Logik. Seit den Studententagen hatten wir uns kaum mehr gesprochen, waren uns — selten genug — nur gelegentlich begegnet. Aber jetzt, als ich über den Basler Münsterplatz ging, stand er mit zurückgeworfenem Kopf vor der Münsterfassade und blickte steif in die Höhe. Was starrst du so? Ich treibe Botanik, sagte er, siehst du die grossen Rosen unterhalb der Brüstung?

Und was sind es für Rosen? Riesige, sagte ich, und gefüllte. Sicher keine einheimische Rose, sagte er, eher eine orientalische. Eine centifolia, also eine hundertblättrige. Ich habe 68 dieser Rosen gezählt, jede hat wohl einen halben Meter Durchmesser. Man darf sich vorstellen, dass die aus dem vorderen Orient heimgekehrten Kreuzritter die Kunde, vielleicht sogar Exemplare, dieser Rose mit nach Hause brachten.

Und jetzt zieren sie die Münsterfassade. Das Münster ist ja eigentlich eine Marienkirche, und Rosen sind der Maria zugeordnet. Das war der Anfang eines längeren Gespräches, bei dem ich nur der nehmende Teil war.

In der Romanik Rundbogen, sagte der Lehrer wimmelt es neben verschlungenen Ornamenten von Tieren, Fabelwesen, typisierten Menschenfiguren. Eindrücklich ist eine Fahrt ins elsässische Rosheim. In der Gotik Spitzbogen, sagte der Lehrer wandelt sich die Bildersprache: Du findest Efeu, Weissdorn, Haselnuss, Hahnenfuss oder Storchenschnabel, Eichenblätter, Erdbeeren und das Blatt der Zaunrübe samt ihren gewundenen Ranken und den kleinen, giftigen Beeren — übrigens häufig und irrtümlich als Weinblatt interpretiert.

Da siehst du die Hagrose und das Hundsröschen, wie sie noch heute in unseren Gärten blühen. Georg in Schlettstadt, die Marienkirchen von Freiburg und Basel sind überwältigende botanische Lektionen. Man kann sich sogar fragen, ob die gotische Kirche nicht als Ganzes eine letztlich botanische Erscheinungsform ist. Was sitzt zuoberst auf einem gotischen Turm? Eine Kreuzblume, sagt der Fremdenführer. Aber was ist die Kreuzblume botanisch? Man muss nur einmal eine solche Kreuzblume, in der Fotografie von oben aufgenommen, näher betrachten.

Da sieht man eine vierblättrige Blüte mit ausgefransten Blütenblättern, den Fruchtknoten genau in der Mitte und nagelartig abstehenden Staubgefässen zwischen den Blütenblättern. Es ist die Raute, die in Italien und auf dem Balkan heimische Weinraute, ruta graveolens, deren Blätter sich eben in ein eigentliches Rautenwerk auflösen.

Und diese Pflanze heisst gelegentlich im Volksmund noch immer Kreuzblume. Aber es wird noch verwirrender:. An den gotischen Kirchen laufen den Kanten von Stützmauern oder Dächern entlang oft Leisten mit regelmässig verteilten Noppen, knospen- oder knollenartigen Widerhaken, man spricht dann von Krabben.

Doch sie erinnern eigentlich wenig an Krebse. Das italienische Wort grappa meint ja auch eine Klammer, die französische agrafe kommt von daher. Die noch nicht geöffnete Blüte der Weinraute hat genau diese Form. Also darf man sich die gotische Kathedrale insgesamt als eine riesige Weinraute vorstellen, auf der oben die Kreuzblume blüht, die ruta graveolens, übrigens eine stark duftende Pflanze, deren Staubgefässe die Nägel im Kreuz symbolisieren könnten.

Und die Kurven in den Fenstern und Deckengewölben der gotischen Kirche simulieren die Kurven, in denen die Weinraute ihre Stiele und Blätter entfaltet. Die botanische Symbolik dieser drei Kirchen in Basel Freiburg und Schlettstadt ist in ein dicht gewobenes Netz von Bezügen eingelassen. Warum Rebenblätter und Trauben? Christus spricht vom Wein als von seinem Blut.

Efeu trägt immergrüne Blätter, er ist konstant. Das Holz der Eiche fault nicht, überdauert die Zeiten. Die Kirche in Schlettstadt ist keine Marienkirche, also tritt die Rose als Schmuck zurück, ich habe nur eine gesehen, wahrscheinlich war es eher eine Pfingstrose. Überhaupt treten Rosen und Pfingstrosen gerne abwechselnd auf; die Pfingstrose ist ja diejenige Rose, die den einzigen Nachteil der echten Rose nicht hat: Wer in einem homöopathischen Lehrbuch blättert, findet viele der im Kirchenschmuck nachgebildeten Pflanzen als Heilpflanzen wieder, dazu gehören die Weinraute selber, der Hopfen, der Efeu und die rätselhafte Zaunrübe, der man, obwohl sie selber giftig ist, entgiftende Wirkungen zuschreibt.

Somit hilft sie auch gegen böswillige Liebestränke, wird also zur Beschützerin der Jungfräulichkeit. Und was bedeuten Storchenschnabel, Hahnenfuss, Scharbockskraut und Haselwurz? Ich habe in Freiburg am Münster einen Lastesel mit Sack gefunden, der einen Acanthus, also eine Stachelähre oder einen Stachelbärenklau, frisst. Der Acanthus ist der Schmuck der korinthischen Säulenköpfe im alten Griechenland. Jahrhundert, wo jetzt der Pflanzenschmuck des klassischen Altertums vom romanischen Esel gefressen wird, damit die botanische Welt der Gotik aufschiessen kann.

Wie wenig wissen wir über diese Dinge! Eine nicht gemachte Hausaufgabe? Aber ob sie schon als abgeschlossen gelten kann? Hans Wackernagel, botanisch so beschlagen wie zoologisch kompetent, den Baslern als langjähriger Sprecher des Zollis aus den Zeitungen und vom Lokalradio bekannt, lachte mit blinzelnden Augen. Wenn man über so unvergleichliches Anschauungsmaterial in nächster Nähe verfügt — es lohnt sich schon, mit einem botanischen Auge von Basel nach Freiburg und Schlettstadt und in noch viele Elsässer und Breisgauer Städte zu fahren.

Alle Macht den Pflanzen — das war die oberrheinische Gotik. Erhard Richter in Grenzach ist einer der Historiker, die gern die kleinen und manchmal die kleinsten Verhältnisse genau unter die Lupe nehmen. Die Geschichte grosser Nationen ist gewiss interessant, auch diejenige einer ganzen Region, wie wir sie am Oberrhein vorfinden, aber spannende wird sie besonders dann, wenn man an einer einzelnen Zelle das Schicksal des ganzen Organismus ablesen kann.

Und so hat sich Erhard Richter über Grenzach gebeugt und erzählt dessen Geschichte, die diejenige einer Jahre alten Wiedervereinigung ist. Es ist wieder eine grenzüberschreitende Geschichte. Aber nun nicht zwischen dem südbadischen Grenzach und dem schweizerischen Basel, vielmehr steigen wir in die Vergangenheit des noch nicht schweizerischen Bistums Basel und seiner nördlichen Nachbarn zurück.

Da erinnern wir uns daran, dass ursprünglich in der Basler Gegend Kelten wohnten, die sogenannten Rauracher oder Rauriker. Dann kamen die römischen Legionen, die ausziehwilligen Helvetier und Rauracher wurden bei Bibrakte militärisch aufgehalten und mussten in ihre alten Gebiete zurückkehren. Augst, eine römische Kolonie, verlor langsam an Bedeutung zu Gunsten von Basel. Sie sass auf der linken Rheinseite, denn auf der rechten Rheinseite erschienen um die Wende des 3.

Man darf sich diese beiden Kulturen, die gallorömische und alemannische, nicht nur in einem feindlichen Gegensatz vorstellen.

Wir haben Zeugnisse, dass sie sich zum Teil sogar sehr gut arrangierten. Aber ein Gegensatz prägte sie: Die Gallorömer lebten gern in Städten, die nicht viel mehr als ein befestigtes Militärlager waren; die Alemannen dagegen zogen eine offene Besiedlung vor, ihre Zentren waren nur in Krisen bezogene Fluchtburgen. Der Münsterhügel von Basel war eine mit Mauer und Wall befestigte Kleinstadt; auf dem Gebiet, wo heute die Kirche von Grenzach steht, befand sich eine alemannische Ursiedlung.

Und zwischen Grenzach und dem heutigen Kleinbasel lag in der Nähe des Warteck-Areals das sagenhafte alemannische Fischerdorf Oberbasel, wiederum eine Fluchtburg. Darum sind die Strassennamen Alemannengasse, Römergasse, Burgweg und Fischerweg, geschichtlich betrachtet, zutreffend gewählt.

Wer von Basel auf dem rechten Ufer rheinaufwärts fährt, erlebt Grenzach als eine Art Strassendorf, die beiden Dorfteile liegen links und rechts der Durchgangsstrasse. Er fährt, ohne es zu ahnen, auf einer alten politischen Grenze.

Es gibt, oberhalb der Strasse, ein nördliches Grenzach, das an Riehen und Bettingen stösst, und es gibt unterhalb ein südliches, das von der Strasse bis an den Rhein reicht. Die naive Frage könnte lauten, warum eigentlich Grenzach, als Zipfel zwischen dem Rhein und den baselstädtischen Landgemeinden eingeklemmt, nicht zu Basel als eine Art Kleinbasler Vorort gehört? Diese Frage führt in die feudalen Zeiten zurück, vor allem ins Jahrhundert, als sich herausbildete, was wir als Grundherrschaften bezeichnen, also von einem Lehensherrn verliehene oder ihm unterstellte Herrschaftsrechte und -bereiche, die manchmal erblich waren, manchmal aber auch nur dem Lehensträger im Sinn eines Amtes verliehen wurden.

Es war der Bischof von Basel nicht der einzige Herr, der in der oberrheinischen Ecke nach grösseren Territorien strebte. Er hatte machtvoll Konkurrenten, unter denen ein Geschlecht besonders hervorsticht. Es sind die Herren von Röteln oder Roetelen. Diese Herren von Röteln tauchen im Jahrhundert auf, sind nach dem Zerfall der zähringischen Herrschaft nur noch dem Kaiser untertan. Das war , ein Jahr später wurde Luthold im Basler Münster begraben.

Somit wurden die Besitztümer der Herren von Röteln markgräflich. Nun aber gab es aus noch älteren Zeiten eine andere Herrscherfamilie am Oberrhein, das waren die Habsburger.

Ihr Besitz auf dem rechten Rheinufer bezeichneten sie als vorderösterreichische Lande. Deren Verwaltungszentrum war Rheinfelden, wo das habsburgische Wappen heute noch am Stadttor prangt. Das südliche Grenzach, vom Rhein bis an die Strasse, gehörte zum vorderösterreichischen Besitz, das nördliche gegen Riehen und Bettingen zur Markgrafschaft.

Die Strasse bildete die Grenze. Die Sache kompliziert sich noch weiter, da die Markgrafen von Hachberg nach das obere Grenzach an die Herren von Bärenfels als Lehen gaben. Diese Familie war zugleich im südlichen Grenzach ein Gläubiger Österreichs, besass dort verschiedene Pfandliegenschaften. Er kümmerte sich schon lange nicht mehr um die oberrheinische Markgrafschaft, da ihn ganz andere Möglichkeiten in Frankreich lockten, wo er Marschall von Burgund und Gouverneur der Provence geworden war.

Also ging jetzt der Besitz der Herren von Bärenfels im nördlichen Grenzach in ein markgräflich baden-durlachsches Lehen über, im südlichen Grenzach blieben die Bärenfels als Darlehensgeber der Österreicher Lehensherren. Es gab dauernd Streit, alle möglichen Gerichte wurden in Anspruch genommen, bis endlich der baden-durlachsche Markgraf Karl August das Lehen im oberen Grenzach von den Bärenfels zurückkaufte und von Österreich auch den unteren Teil von Grenzach käuflich erwarb.

Die Bärenfels nahmen das Geld und erwarben das Rote Haus bei Muttenz, das sie offenbar sehr gastfreundlich bewirtschafteten und bewohnten. Und jetzt fahren wir nach Pfirt, französisch Ferrette. Vielleicht auch dem Käse zuliebe, vor allem aber, um wieder einmal den Sundgau mit seinen alten Bäumen zu erleben. Was ist das für ein merkwürdiger Ort, in den Hügeln versteckt und aufgeteilt in die zwei Niederlassungen Pfirt und Alt-Pfirt?

Man gewinnt bei einem oberflächlichen Besuch den Eindruck, dass der Teil, der sich Alt-Pfirt oder eben Vieux-Ferrette nennt, eigentlich der neuere sei, wohingegen das eigentliche Pfirt ganz mittelalterlich daherkommt, weil es sich an das Schloss — ursprünglich zwei Schlösser — anschliesst.

Beginnt man in Pfirt geschichtlichen Spuren nachzugehen, so ist die Mischung von Deutsch und Welsch, von Elsass und Jura, von Frankreich und vorderösterreichisch-deutschen Elementen unübersehbar. Das beginnt schon früh, lange vor zum Beispiel. Und sein Sohn Ludwig I. Die Grafen von Pfirt waren also von Anfang an mit den beiden grössten damaligen Herrscherhäusern am Oberrhein liiert.

Und wo bleiben die Basler? Gemach, Graf Friedrich II. Sein Bruder Graf Ulrich I. Seit war somit die Grafschaft Pfirt basel-bischöfliches Lehen. Der hatte nur zwei Töchter namens Johanna und Ursula.

Ursula trat ihre Rechte an Pfirt an Johanna ab. Graf Ulrich befürchtete, dass der Basler Bischof nach seinem Tod erneut die Hand auf die Grafschaft legen würde, also verhalf er einem seiner Gewährsmänner dazu, Basler Bischof zu werden. Dieser musste nur vorher die Erbberechtigung der gräflichen Tochter anerkennen, was auch geschah.

Alles hing nun davon ab, wen Johanna heiraten würde. So kam die Grafschaft Pfirt als ein Lehen des Basler Bischofs an das Haus Österreich, das bekanntlich in Sachen Hoheitsrechte wenig Spass verstand und was es einmal erheiratet hatte, möglichst lang behielt. Liest man die wenigen Ereignisse nach, die wir aus dem Leben des Grafen von Pfirt kennen, so gewinnt man den Eindruck, dass die ordnende Hand der Habsburger ein Segen war. Denn die Pfirter Grafen waren keine bequemen Herren.

Sein Sohn Ludwig von ähnlichem Temperament soll ihn erschlagen haben. Dass nach die Grafschaft österreichisch wurde, mussten die Leute in diesem von Fehden immer wieder geschüttelten Gebiet als Erleichterung empfinden, die Basler freilich auch als bedrohlich. Denn jetzt sassen die Österreicher rheinaufwärts im Fricktal und in Rheinfelden, dazu im Breisgau, hatten Herrschaftsrechte im Elsass und schlossen die Klammer um Basel herum mit dem Erwerb der Grafschaft Pfirt.

Bis in die Wende vom Jahrhundert, also dem Schwabenkrieg und König Maximilian von Österreich, war die baslerische Gefühlslage gespalten in Respekt und Furcht vor dem Hause Habsburg und in Anerkennung seiner friedenstiftenden Tätigkeit.

Pfirt selber bestand zuerst aus dem heutigen Alt-Pfirt, nach dem die ersten Grafen sich nannten. Um errichtete Friedrich I. Sogleich siedelten sich Dienstleute und Handwerker am Berghang an. Die sogenannte Oberstadt, ursprünglich abgeschlossen durch zwei Tore, das heutige Pfirt, war eine systematische Gründung. Die Unterstadt entstand aus einem ursprünglich dem Hospiz vom Grossen St. Bernhard unterstellten kleinen Kloster; sie entwickelte sich vermutlich erst im Damals aber gehörte der Sundgau schon zur französischen Krone, die ihn mit Teilen des Elsass als Lehen an Mazarin übergeben hatte.

Die habsburgische Klammer war aus der Sicht der Basler wieder aufgebrochen, der Ring war gesprengt. Wie gefährlich aber die Nachbarschaft der beiden grössten kontinentaleuropäischen Mächte Habsburg und Frankreich werden konnte, zeigte sich in den ausbrechenden Kriegen zwischen dem republikanischen Frankreich und dem deutsch-österreichischen Kaiser.

Die alte Eidgenossenschaft fand weder militärisch noch diplomatisch die Mittel und Wege, um in diesem Konflikt zu bestehen, und brach zusammen. Sie erinnern daran, dass über viele Jahrhunderte Österreich der wichtigste Nachbar Basels war, der gelegentlich auch versucht hatte, Basel einzukreisen und es sich einzuverleiben.

Der Bund der schweizerischen Urkantone ist besiegelt, er hat sich zum Bündnissystem der acht alten Orte erweitert. Aber Basel ist noch Bischofsstadt, Reichsstadt, ist nächster Nachbar zum Markgrafen von Hachberg-Sausenberg in Röteln, zu den Habsburgern in Rheinfelden und Ensisheim und, etwas weiter entfernt, zu den burgundischen Herzögen. Verglichen mit den Städten, die heute die Schweiz bestimmen, ist es gross; verglichen mit rheinischen Städten wie Strassburg oder Köln, ist es klein.

Wir sind in den ersten Jahren des Einer der reichsten Basler dieser Zeit finanziert adlige Grundherren rundum, indem er ihnen Vorschüsse gibt, dafür ganze Herrschaften als Pfand übernimmt. Er wohnt am Rheinsprung, da wo heute die alte Universität steht. Wie eine ausserordentliche Vermögenssteuer erhoben wird, weist er ein Vermögen von über 10' Gulden aus.

Nach heutigem Geldwert wäre er millionenschwer. Auch die Herzoge von Österreich sind seine Kunden, gegen einen Vorschuss hat er die auf einem Felskopf gelegene Stammburg der Grafen von Rheinfelden, den sogenannten Stein von Rheinfelden, zum Pfand übernommen. Sein Name ist Jakob Zibol. Von der Welt hat er mit seinen politischen Erfolgen und seinem Geld nicht mehr viel zu erwarten, er wendet sich anderen Dingen zu.

Er kommt viel herum, da sein Stand als Achtburger ihn in die Nähe des Adels rückt, seine diplomatischen Fähigkeiten sind gesucht.

Als Oberstzunftmeister wird er mit einer Gesandtschaft nach Nürnberg geschickt, wo man den Baslern unter den Sehenswürdigkeiten der Stadt auch das Kartäuserkloster zeigt. Es imponiert ihm, er möchte mit den Mönchen reden. Ein Nürnberger Prior ruft sie zusammen. Nun verbringen die Kartäuser, als Orden im Jahrhundert gestiftet und seit vom Papst anerkannt, ihr Leben in der Regel schweigend und einzeln in ihren Zellen, Aussprachen finden nur an Sonn- und Feiertagen statt.

Aber auf Geheiss des Priors reden die Mönche mit Jakob Zibol, und da erfährt der Basler auch, dass ihre Kartause von einem reichen Nürnberger namens Marquard Mendel gestiftet worden sei.

Zibols Entschluss ist gefasst, er will auch in Basel ein solches Kloster gründen. Dazu braucht er geistliche Hilfe. Was er noch nicht weiss: Er hat sogar einen Strassburger Kartäuser namens Wynand nach Röteln kommen lassen, um sich mit ihm zu beraten.

Wynand ist in der oberen Markgrafschaft zu Erkundungszwecken herumgeritten, hat aber keine passenden Örtlichkeiten gefunden. Sie waren bald zu nahe bei den Leuten, bald zu weit weg. Wynand schien es überdies, dass der Markgraf nicht ganz über die nötigen Mittel verfüge, die Existenz eines Klosters auf die Dauer zu garantieren. Nachträglich erfährt Zibol von diesen Verhandlungen, sofort lässt er seinerseits Wynand kommen. Er hat unterdessen einen ihm gut scheinenden Platz gefunden: Mit dem Erwerb des Kleinbasels fiel er an den Rat.

Wynand kommt, erkundigt sich nach dem Stand und dem Vermögen Zibols, zusammen besichtigen sie die Liegenschaft mit Baumgarten, Reben, verschiedenen Gebäuden und Scheunen. Wynand ist erfreut, das sind bessere Voraussetzungen als beim Markgrafen.

Kann man die Liegenschaft kaufen? Da Zibol selber zum Rat gehört, kein Problem. Als die Ratskollegen hören, dass Zibol den Hof nicht für sich, sondern für ein Kartäuserkloster erwerben will, herrscht sogar Begeisterung. Dezember wird man sich einig, der Preis beträgt Rheinische Gulden. Sicherheitshalber holt man die Einwilligung des Probstes von St.

Alban ein, der alte Rechtstitel auf diesen Hof geltend macht. Zibol zeigt sich weiter grosszügig, mit dem Einverständnis seiner Erben überschreibt er dem Kloster Einkünfte in Form von Kornlieferungen von seinen Gütern in Ötlingen. Eine alte Margarethen-Kapelle gegen den Rhein, eine Schwachstelle in der Befestigungsmauer, darf mit Zustimmung des Rates abgebrochen werden, sie liefert Steine für einen Neubau. Der Bischof von Konstanz, geistlicher Herr über Kleinbasel, ist ebenfalls einverstanden.

Die Kartause wird der Heiligen Margaretha gewidmet. Die ersten Kartäuser übersiedeln von Strassburg. Die ganze Klosteranlage ist noch reichlich primitiv, Zibol muss mehr als einmal Lebensmittel zur täglichen Verpflegung über den Rhein schaffen.

Das neue Kloster gefällt dem Pfarrer zu St. Er zahlt noch einmal Rheinische Gulden an das Domkapitel, dann geben sich die Herren zufrieden. Wynand selber ist Prior in Basel geworden, beginnt der Bau der Kirche. Alles scheint so harmonisch, da bricht die Katastrophe ein: Zibol ist auch Burgherr in Rheinfelden, als solcher den Habsburgern verpflichtet, zugleich ist er Basler Amtsträger.

Zu wem hält Rheinfelden? Zu keinem von beiden, aber die Zibols sind unaufmerksam, die Rheinfelder überrumpeln die Burg, nehmen einen jungen Zibol gefangen. Darauf kerkern die Basler den österreichischer Sympathien verdächtigen Vater mit den anderen Söhnen ein. Die Sache kompliziert sich weiter, da die burgundische Schwägerin Friedrichs ebenfalls Ansprüche auf Rheinfelden erhebt, es wird ein Dreieckskrieg zwischen Basel, Friedrich und Katharina von Burgund.

Jetzt geht es ans gute Geld, Zibol wird nicht nur seiner Ämter entsetzt, sondern mit 12' Gulden gebüsst, eine enorme Summe. Er ist ein gebrochener Mann. Er lebt noch, als der Markgraf als Vermittler den Streit beilegt, sogar ein Bündnis zwischen den Baslern und Katharina zeichnet sich ab.

Dann stirbt er Doch die Kartause ist gesichert. Die Zellen sind heute abgerissen, nur das Haus des Priors und die Kirche stehen noch, sie bilden zusammen den Komplex des Basler Waisenhauses. In unserem Selbstverständnis ist das Dreiland am Oberrhein dadurch charakterisiert, dass über die Grenzen der Nationalstaaten Frankreich, Deutschland, Schweiz hinweg allerhand nachbarschaftliche Gemeinsamkeiten, aber auch die Landschaft — der Oberrhein mit seinem Auslauf nach dem Sundgau und Jura — ein zusammenhängendes Gebiet erkennen lassen.

Es hat, mehr im Kleinen als im Grossen, eine gemeinsame Geschichte, einen ähnlichen Lebensstil, verwandte Architektur; es hat aber auch Gegensätze, mit denen schon frühere Generationen fertig werden mussten: Das Dreiland ist als ein Randgebiet abhängig von ungleich grösseren Mächten. Es fühlt aber ebenso die Verlockung, unabhängig von diesen grösseren Mächten seine Dinge selber zu regeln — gelegentlich auf eine Weise, die diesen grösseren Mächten nicht recht gefällt.

Das Gefühl der relativen Kleinheit und zugleich der Andersartigkeit bricht immer wieder durch; es schafft sogar eine gewisse innere Übereinstimmung, die dazu führt, dass der Jurassier und der Elsässer, der Markgräfler und der Basler sich besser verstehen als Schweizer, Deutsche und Franzosen. In diesem von den Baslern Regio getauften Gebiet, so klein es im Verhältnis zu Deutschland, Frankreich und der Schweiz ist, gibt es noch einmal Miniaturregionen, die — wie Fraktale auf einem Computer — das Bild der gegenseitigen Verzahnung im Kleinen reproduzieren.

Wer von den heutigen Schweizern und Franzosen hat sich schon gefragt, warum der Pruntruter Zipfel mit der Ajoie so merkwürdig und ein wenig wie eine Blase in Richtung Frankreich ausgestülpt ist? Warum folgt seine Grenze nicht dem Doubs, der, von Pontarlier kommend, nördlich von La Chaux-de-Fonds eine Zeitlang tatsächlich die heutige Landesgrenze bildet, dann aber wie ein Haarnadel in das schweizerische Gebiet hineinsticht, bei St.

Ursanne einen Bogen macht, um wieder Richtung Frankreich zu entschwinden? Diese auf der Hand liegende Frage führt sofort in die Geschichte, eine Geschichte so alt wie diejenige der unterdessen jährigen Eidgenossenschaft, und wenn man will noch einiges älter. Die Luftlinie von der Krümmung des Doubs bei St.

Ursanne bis nach Basel liegt unter 40 Kilometern. Von der Antike bis ins Mittelalter war der Warentransport zu Wasser der leistungsfähigste und bequemste. Wollte man also Güter vom Doubs auf den Rhein, der hauptsächlichsten Verkehrsader Mitteleuropas, weiterspedieren, musste man diese Distanz auf dem Landweg überwinden.

Nachgewiesen ist, dass solche Verbindungen schon zu Beginn unserer Zeitrechnung existierten. Die heute noch fühlbare Geschichte beginnt wenige Jahre vor dem Bund der ersten Urkantone und zwar genau im Jahr Er gab der Stadt Pruntrut, im Herrschaftsbereich des Basler Bischofs gelegen, verbriefte städtische Freiheitsrechte, die er eben auch als eine Art Dank und Kompliment an den Bischof deklarierte.

Er machte sich die Sache einfach: Damit waren die Steine gesetzt. Am südwestlichen Ende der Regio bildete sich eine Miniaturregio, die insofern spannend ist, als man sich hier in der alten Übergangszone vom deutsch-alemannischen in den französisch-burgundischen Raum befindet — das eigentliche Elsass war ja noch deutschsprachig. Zwei Mächte standen sich gegenüber, Mächte im regionalen Massstab wohlverstanden: Dank einer Frau wurde dieser Gegensatz auch im grösseren Rahmen spannend.

Sie heirateten, Eberhard starb früh, Henriette regierte das Land mit weiteren linksrheinischen Herrschaften im Elsass und musste es dann ihren Söhnen abtreten. So kam die Grafschaft Mömpelgard in württembergischen Besitz — und blieb es bis zur Französischen Revolution.

Das hatte Folgen zum Beispiel während der Kirchenreformation. Ulrich von Württemberg sorgte dafür, dass die Grafschaft Mömpelgard lutheranisch wurde; der aus der Stadt vertriebene Fürstbischof von Basel setzte alle Kräfte ein, die Ajoie beim alten Glauben zu halten.

Zwischen und standen sich zwei Landesherren gegenüber, die in mehr als einer Beziehung vergleichbar sind: Dass die Grafschaft Mömpelgard in den französischen Religionskriegen zahlreichen Hugenotten, die calvinistisch und nicht lutheranisch gesinnt waren, Unterschlupf bot und von ihren kommerziellen Talenten profitierte, geht auf die Politik Friedrichs von Württemberg zurück, der über die Grafschaft enge Kontakte zu den französischen Königen Heinrich III.

In der Miniaturregio am Rand der Regio spiegelt sich noch einmal europäisches Schicksal, zu dem auch die gegenseitigen grausamen Verheerungen durch eine immer wieder angemietete Soldateska gehörten.

Das Fürstbistum Basel überlebte auch nicht, wurde der jurassische Teil zum Kanton Bern geschlagen, und es brauchte noch einmal mehr als Jahre, bis die Ajoie mit dem Hauptort Porrentruy in den neuen Kanton Jura überging.

Der Name Armleder tönt irgendwie vertraut. Man schmeckt ihm auch sein Alter an. Sind die Armleder Elsässer, Süddeutsche oder Schweizer? Und wieso tönt dieser Name so geschichtlich? Jetzt schlage ich bei Hellmut G. Und finde dort im ersten Band Nachrichten — keine schönen — über einen König Armleder. Sogar seinen richtigen Namen weiss Haasis: In der dortigen Kirche ist er begraben, noch erkennt man den beschädigten Grabstein, wie ihn Klaus Arnold beschrieb:.

Es ist ein jugendliches, bartloses Antlitz über einem betont breiten Hals, auf dem die Klinge eines Schwertes aufliegt. Gehalten wird dieses von einer kleineren, auf der Umrahmung sitzenden Gestalt, deren Oberkörper und Kopf verloren sind. Die Scheide zur Rechten des Mannes ist leer, um anzudeuten, dass es sein eigenes Schwert ist, das ihm den Tod bringt.

Seine Hände sind nicht, wie man erwarten könnte, gefaltet; vielmehr übereinandergelegt mit erkennbaren Resten von Fesseln. Den Schutz der Unterarme bildet — noch niemand hat es als bemerkenswert überliefert — Armleder. Da ist der Ausdruck gefallen: Der Flexodruck steht in engem Wettbewerb mit dem Kupfertiefdruck, mit dem aber qualitativ bessere Ergebnisse erzielt werden. Wegen der hohen Druckvorkosten beim Erstellen der Kupferplatte ist dieser für kleine und mittlere Auflagen unwirtschaftlich.

Die Effizienz im Flexodruck wird durch die Verwendung von vorgefertigten Endlosdruckformen erheblich verbessert. Es handelt sich hier um speziell entwickelte und auf den Einsatzzweck angepasste Kautschukmischungen, die mit Lösemittelfarben, Wasserfarben oder UV-Farben arbeiten. Der Tiefdruck ist ein Druckverfahren, bei dem die druckenden Elemente durch chemische oder mechanische Verfahren vertieft auf den Druckformzylinder übertragen werden.

Die Näpfchen wurden früher durch Ätzung, heute durch mechanische Gravur mittels kleiner Diamantstichel oder Lasergravur erzeugt. Beim Druckvorgang wird der Druckformzylinder mit relativ dünnflüssiger Druckfarbe eingefärbt und die überschüssige Farbe durch eine Rakel blank vom Zylinder abgestreift. Die Farbe für den Druckvorgang bleibt daher nur in den vertieften Stellen des Zylinders zurück; es drucken also nur diese Partien.

Durch hohen Anpressdruck erfolgt die Übertragung der Farbe auf den Bedruckstoff. Die Farbauftragsmenge für einen Abbildungsbereich wird durch die Tiefe der Näpfchen bestimmt. Den hohen Kosten der Druckform stehen geringe Kosten im Auflagendruck gegenüber. Besonders für den Dekordruck ist die Möglichkeit des nahtlosen Endlosdrucks von Bedeutung.

Beim Flachdruck liegen druckende und nichtdruckende Partien in einer Ebene. Das Prinzip basiert hier auf dem chemischen Gegensatz von Fett und Wasser. Die druckenden, fettfreundlichen Partien werden mit Tusche, Fettkreide, Fettstiften oder auf fotografischem Wege aufgetragen und nehmen Farbe an.

Die druckenden Flächen werden als lipophil , die nichtdruckenden als hydrophil bezeichnet. Dabei stellt der Offsetdruck eine Weiterentwicklung des Steindruckes dar, indem indirekt über ein Gummituch gedruckt wird. Sonderformen des indirekten Flachdrucks benutzen statt eines Gummituchs Umdruckpapier oder -folien.

In der Praxis werden heute Bogen- und Rollenoffsetdruckmaschinen eingesetzt. Tageszeitungen, Massendrucksachen, Zeitschriften und Verpackungen sind mit hohen Auflagen oder Umfängen im Rollenoffsetdruck wirtschaftlich. Plakate, Fotobücher, Werbedrucksachen oder hochveredelte Druckerzeugnisse werden bei kleinen bis mittleren Auflagen im Bogenoffsetdruck wirtschaftlich und mit hoher Qualität hergestellt.

Das bekannteste Durchdruckverfahren ist der Siebdruck oder die Serigrafie , bei der die Druckfarbe mit einem wischerähnlichen Werkzeug, die Gummirakel, durch ein feinmaschiges textiles Gewebe hindurch auf das zu bedruckende Material gedrückt wird.

Das Gewebe trägt eine Schablone aus Kunststoff, zu deren Herstellung die gesamte Fläche des gespannten Gewebes mit einem Fotopolymer beschichtet und über einen positiven Film mit dem zu druckenden Motiv belichtet wird. Das Fotopolymer erhärtet an den nicht druckenden Stellen, das unbelichtete Material wird ausgewaschen. Beim Druckvorgang tritt die Druckfarbe nur dort durch Gewebe, wo dieses freigewaschen wurde. Im Siebdruckverfahren können die unterschiedlichsten Materialien bedruckt werden, sowohl flache Folien und Platten als auch geformte Objekte, wie Flaschen, Kunststoffbehälter und Kleidungsstücke.

Dazu verwendet man je nach Material spezielle Druckfarben. Im Vergleich zu anderen Druckverfahren ist die Druckgeschwindigkeit relativ gering. Der Siebdruck ist ein direktes Druckverfahren. Zwischen Druckform und Bedruckstoff besteht ein Zwischenraum von ein bis wenigen Millimeter, der nötig ist, um den Absprung zu ermöglichen. Diese Siebabsprunghöhe wird lokal und temporär dort aufgehoben, wo die Rakel das Sieb so weit niederdrückt, dass die Schablone auf dem Bedruckstoff aufliegt.

Hier werden in diesem Moment die Konturen abgedichtet und die Farbe auf den Bedruckstoff übertragen. Bewegt sich die Rakel weiter, hebt sich das gerade überstrichene Gewebe mit Schablone wieder an.

Beim Schablonendruck ohne tragendes Sieb muss die Schablone selbst ausreichend fest sein und ist beispielsweise aus Stahl gefertigt und direkt in den Rahmen gespannt. Wie beim Stencil sind die möglichen Druckbilder eingeschränkt. Eingesetzt wird dieses Verfahren beispielsweise zum Aufbringen der Lotpaste bzw.

Ein Zusetzen von Maschen mit Druckpastenbestandteilen — wie es beim sonst nahezu identischen Siebdruckverfahren möglich ist — kann nicht auftreten. Beim Siebdruckverfahren hingegen können dank des tragenden Siebes auch Nichtbildstellen dargestellt werden, die von Bildstellen vollständig und lückenlos umschlossen sind.

Der Tampondruck ist ein indirekter Rakel-Tiefdruck. Die Vorlage wird mit Hilfe eines Tampons aus porösem Silikonkautschuk von einer Fläche Tiefdruckform auf einen Gegenstand, zum Beispiel Tasse, Kugelschreiber übertragen und kann damit auch auf unebene Bedruckstoffe appliziert werden. Deswegen wird der Tampondruck besonders bei der Produktion von Werbegeschenken verwendet, ebenso bei der feinen Bedruckung von Modelleisenbahnen und Zifferblättern von Uhren und bei der Beschriftung elektronischer Bauelemente und Schalter.

Der Stempeldruck ist eins der ältesten Druckverfahren, bei dem die einzelnen Druckformen auf den Druckstoff aufgedrückt werden. Stempeldruck ist ein Flexodruckverfahren und als solches dem Hochdruck zuzuordnen. Die Frottage ist vermutlich das älteste farbige Druckverfahren. Die Schriften des Konfuzius — v. Die Pigmentfotografie ist als selbständiges grafisches Verfahren im Gegensatz zum Pigmentdruck anzusehen.

Beim Pochoir , auch Stencil oder Schablonenkunst genannt, werden Grafiken und Texte mittels Schablonen aufgetragen und gilt als eine der ältesten industriellen Farbdrucktechniken. Heute wird dort noch immer in dieser Technik gedruckt. Pochoir kommt heute in der Streetart vor und ist als eine Unterart des Graffiti zu betrachten. Dieses Druckverfahren kann im weitesten Sinne dem Siebdruck zugeordnet werden.

Beim Prägedruck werden Muster in das zu bedruckende Material geprägt. Geschieht dies ohne Farbe spricht man auch von Blinddruck, Blindpressung, Blindprägung oder Gaufrieren.

Blinddruck gab es in Form von Roll- und Stempelsiegeln bereits im 4. Mit dieser entwickelten Technik war es bereits vor der digitalen Bildbearbeitung möglich, verzerrte Bilder zu erzeugen. Laserdrucker oder Zeilendrucker werden nicht zu den NIP-Verfahren gerechnet, da dort die Farbübertragung ohne Druckeinwirkung auf das Papier nicht erfolgen kann.

Typendrucker sind zum Beispiel sogenannte Transferdurchdrucker und stellen eine Prinzipmischung aus Buchdruck und Siebdruck dar. Sie haben Formbestandteile Typen , weisen aber nicht die typische Gesamtformkonstellation einer Druckmaschine auf.

Der klassische Laserdrucker ist zu den elektronischen Flachdruckverfahren zu rechnen. Er hat durch die Abbildung des Druckbildes auf der Tonertrommel eine Druckform, wenn auch nur eine temporäre. Beim Thermodirektdruck wird das Druckergebnis durch punktuelle Hitzeerzeugung statt durch mechanischen Anschlag oder Andruck erreicht.

Es findet ein temperaturempfindliches Spezialpapier Verwendung, das sich bei Erhitzung schwärzt. Der Thermodruck wird häufig in Registrierkassen und wurde früher auch in Faxgeräten eingesetzt. Im Jahr führte der japanische Gerätehersteller Brother ein zweifarbiges Thermodruckverfahren für Beschriftungsgeräte mit Schwarz und Rot ein. Hierzu wird ein spezieller Drucker eingesetzt, der durch Erwärmung des Druckkopfes die Farbe von einer farbtragenden Polyesterfolie, Ribbon genannt, ablöst und auf ein spezielles Retransferband überträgt.

Von diesem Retransferband wird dann eine Folie auf das zu bedruckende Medium aufgeschmolzen. Durch diese Zwischenübertragung ist eine hohe Auflösung möglich und der Druck kann vollflächig erfolgen. Daher können auch kleine Stückzahlen in fotorealistischer Qualität bedruckt werden. Der Thermosublimationsdruck ist ebenfalls vom Thermotransferdruck weiterentwickelt worden.

Da die Farbe kurz gasförmig ist, lassen sich echte Tonwertabstufungen ohne Rasterung erzeugen. Eine Schwäche des Thermotransferdrucks bei Fotoausdrucken konnte dadurch beseitigt werden. Allerdings sind die Verbrauchskosten für Transferfolien sehr hoch, so dass sich diese Geräte auf dem Markt nicht halten konnten.

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